Ist mein feuchter Keller ein Problem?
Feuchte Kellerwände sind in Bestandsgebäuden ein bekanntes Phänomen, da historische Fundamente und Kellerwände nicht wie heute durchgehend abgedichtet wurden. Solange Keller als kühle Lagerräume genutzt wurden, war das meist unproblematisch. Mit der heutigen Nutzung als Wohn- oder Arbeitsraum steigen jedoch die Anforderungen an Trockenheit und energetische Qualität deutlich. Wie der Bauphysiker Helmut Künzel zeigt, begrenzt Ziegelmauerwerk zwar oft den kapillaren Feuchteaufstieg, dennoch reicht dies für moderne Nutzungsansprüche in der Regel nicht aus (Künzel, 2014).
Die nachträgliche Abdichtung feuchter, schimmel- und salzgeschädigter Grundmauern ist eine komplexe, interdisziplinäre Aufgabe, die Erfahrung und fundiertes Fachwissen voraussetzt (vgl. Spirgatis, 2020). Während Abdichtungen im Neubau durch die DIN 18533 geregelt sind, orientiert sich die Bestandssanierung vor allem an den Merkblättern der WTA – der Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege International e.V.
Je nach Situation kommen unterschiedliche Maßnahmen in Betracht: Außenabdichtung, Injektionsverfahren, Innenabdichtung oder auch eine Verbesserung des Raumklimas durch gezielte Lüftung und Temperierung. Entscheidend ist ein abgestimmtes Gesamtkonzept. Spezielle Verfahren wie Injektionen oder Innenabdichtungen sollten nicht pauschal eingesetzt werden, sondern Teil einer durchdachten Strategie sein (WTA 4-6/24/D).
In privaten Bauvorhaben ist dabei ein pragmatisches Vorgehen wichtig. Umfangreiche Gutachten stehen nicht immer im Verhältnis zum Budget. Als Architektin kann ich einschätzen, wann die Einbindung eines Sachverständigen sinnvoll ist – und welche Fragestellungen sich im Rahmen der Planung zuverlässig klären lassen.
Quellen
Künzel, H.: „Problembereich »aufsteigende Feuchte«“ In: Bausubstanz. Zeitschrift für nachhaltiges Bauen, Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege, Jg. 5, Heft 3, September 2014.
Spirgatis, R. „Nachträgliche Bauwerksabdichtung nach WTA“. In: Bausubstanz. Zeitschrift für nachhaltiges Bauen, Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege, Jg. 11, Heft 5, Oktober 2020.
Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege International e.V. (WTA): Merkblatt 4-6/24/D.